Hervorgehobener Beitrag

ZWISCHEN ARARAT UND KASBEK 2017

Notizen zu einer Reise im Mai 2017

Der Kaukasus … wo liegt er? Diese Frage bekamen wir oft zu hören, als wir von unserem Reiseprojekt mit STUDIOSUS nach ARMENIEN und GEORGIEN erzählten.

ARMENIEN und GEORGIEN — zwei Kleinstaaten auf der Landbrücke zwischen Schwarzem Meer und Kaspischen Meer und zwischen Europa und Asien, schon seit dem 4. Jahrhundert betont christlich und bekannt für Klosteranlagen  in der gebirgigen Landschaft, aber auch seit Jahrtausenden im Einflussbereich und der Abhängigkeit  der umgebenden Grossmächte: Erst seit kurzem selbständige Nationalstaaten seit dem Zerfall der Sowjetkunion, aber als Grenzregion in Konflikte und Kriege verwickelt.

Wo stehen diese jungen Nationen heute? Was ist geblieben aus der atheistischen Sowjetzeit? Was aus der Abhängigkeit von Russland und der Türkei?

Ich habe meine Eindrücke und Überlegungen in einem Foto-Bericht zusammengestellt — wie schon zuvor zu China und der Mongolei — als Mit-Teilung an Freunde und Interessierte.

Der Bericht findet sich unter

REISEBERICHT KAUKASUS

 

Hervorgehobener Beitrag

3 x D: Donaudelta — Dobrudscha — Dietmar Gross

Das Donau-Delta ist seit Jahren ein Touristenmagnet … und war ein Reisewunsch von Elisabeth. Eine von deutschen B.U.N.D. organisierte Exkursion – Anreise im umweltfreundlichen Zug! – brachte nicht nur den Ornithologen die Vogelwelt ausgiebig zu Gehör und Gesicht —der Reiseleiter Dietmar Gross als Forstexperte im Ruhestand führte uns auch in „seinen“ Karpaten-Urwald mit Bärenbeobachtung und vermittelte als Deutsch-Rumäne einen lebendigen Zugang zu Land und Landwirtschaft und Geschichte und Probleme seiner Heimat – sichtbar gemacht auch im Rundgang durch der Stadt Brasov/Kronstadt und in seinem Heimatdorf Deutsch-Weißkirch/Viscri.

Beeindruckt hat das Nebeneinander von Wildtieren und Haustieren und das Zusammenleben von Menschen ganz verschiedener Herkunft und Konfessionen — ein exklusiver Nationalismus einer völkischen Mehrheit stellt für alle eine grosse Bedrohung dar.

Das habe ich gelernt: Wir alle – Menschen und Tiere und Pflanzen – haben unsere Wurzeln und unsere Traditionen und unsere Lebensräume nebeneinander und miteinander: Daraus leitet sich die Aufgabe und Verpflichtung ab, dies in gegenseitiger Achtung von Natur und Kultur zu bewahren, zu schützen, zu entwickeln.

KRUZIFIX ODER KREUZ ?

Embleme und Signete in aller Welt:  Halbmond — Hammer und Sichel — das Rote Kreuz. Die Nationalsozialisten benutzten und missbrauchten das uralte Symbol des Hakenkreuzes. Das christliche Kreuz, welches vor 1700 Jahren rund für seine Entscheidungsschlacht gegen Herausforderer Maxentius auf den Schildern seiner Soldaten anbringen liess, leitete die staatliche Christianisierung des römischen Reiches ein.

Das christlicher Kreuz als Siegeszeichen und energetischer Sonnensymbol wurde  in der Neuzeit  auf den den  Marterpfahl des sterbenden Jesus, wie es Kirchen, Kapellen, Bildstöcklein und Stuben  „schmückt“, eingeengt. Es  wird als Kreuzzeichen meist gedankenlos ausgeführt  oder  in kritischen Augenblicken apotropäisch (Unheil abwehrend)  gemacht und lässt sich sogar bei Sportlern als rasche Geste beobachten.

Einen überraschenden und tiefen und meditativen Zugang schuf der Symbolforscher Alfons Rosenberg von einem halben Jahrhundert. Im Zusammenhang mit meinen TAI CHI-Übungen ist mir dieses Schrift wichtig geworden; ich habe sie als Handreichung für eine meditative Körperarbeit zusammengefasst.

Man findet sie unter

Körperarbeit und Kreuzmeditation

 

 

 

Ferdinand Gehr und die Antonius-Kapelle in Mels

Mit Ferdinand Gehr und seinen Fresken in der Antonius-Kapelle Mels auf Butz habe ich mich seit Jahren befasst und neuesten aus Anlass der Ausstellung in Olten einen weiteren Beitrag für die Zeitschrift TERRA PLANA verfasst: Texte und Bilder sind über folgende LINKS erreichbar:

> Ferdinand Gehr und seine öffentlichen Werke

Zur Baugeschichte mein Beitrag in der Terra Plan 1988 als Text und ein bebilderter Flyer.

 

„Machet den Zaun nicht zu weit“- aktualisiert für die USR III

 Das bekannte, angeblich von Bruder Klaus stammende Wort wird von National-Konservativen immer wieder als Warnung vor einer offenen Aussenpolitik der Eidgenossenschaft ideologisiert. Zuletzt hatden Satz aBR Blocher in seinem letzten Teleblocher (Folge 488: Gerhard Blocher und Niklaus von Flüe) – einmal mehr gegen die „landesverröterischen Politik des Bundesrates, der unser Land an die EU verkaufen will, missbraucht. Das ruft geradezu nach einer anderen zeitgemässeren Aktualisierung:

„Öffnet den Zaun nicht allen steuerflüchtigen Grosskonzernen — sie sollen in ihren Ländern für ihre Bevölkerung gerechte Steuern bezahlen — und erpresst nicht das Schweizer Volk mit Steuervergünstigungen für die einheimischen Grossaktionäre, woraus dann Sparprogramme und Steuererhöhungen für die Bevölkerung entstehen! Die ungleiche Verteilung eures Reichtums im Land und weltweit ist die gefährlichste Ursache für sozialen Unfrieden und nationale Kriege!“

Immer noch aktuell ist, was Papst Johannes Paul II am 14. Juni 1984 bei seinem Besuch auf dem Flüeli zum Wort vom Zaun gesagt hat: „Ja, macht den Zaun nicht zu weit, aber scheut euch nicht, über den Zaun hinauszuschauen. Macht die Sorgen anderer Völker zu euren eigenen und bietet über die Grenzen hinweg eine helfende Hand, und dies auch auf der Ebene eurer staatlichen Organe und Finanzmittel.“ (Zitiert aus www.bruderklaus.com)

Für mich heisst das: NEIN zu einer verfehlten und national wie international schädlichen Unternehmenssteuerreform III am 12. Februar.

 

Otto Ackermann, Fontnas

 

 

PERIPLOMENON ENIAUTON

IM KREISLAUF DER JAHRE

Zum Jahreswechsel 2017

Die griechischen Wörter aus den ersten Versen der Odyssee sind mir zum bevorstehenden Jahreswechsel eingefallen und aufgefallen: Es scheint, dass für mich und viele mit mir alternde und alte Menschen das Rad der Zeit sich immer schneller dreht, obwohl immer weniger Entscheidungen und Ereignisse den persönlichen Jahresablauf bestimmen.

Die genannte Wendung steht in jenen Versen, in welchen der Dichter der Odyssee seine Erzählung beginnt: dass nämlich nun für Odysseus das entscheidende Jahr oder besser: der Zeitpunkt gekommen sei, nach den langen Jahren des trojanischen Krieges endlich nach Hause zurückzukehren — freilich sofort mit der Einschränkung, dass eben diese Rückkehr ihn erneut in die vielen Abenteuer und Proben seiner Irrfahrten führen werde. Gilt dies auch für uns nach Ablauf der sieben Jahrzehnte, bevor die persönlichen Prüfungen und Herausforderungen unseres Lebens zu ihrem inneren und äusseren Abschluss kommen

Dem Philologen öffnen sich aus der Wendung sprachliche Feinheiten und Differenzierungen:
Das Wort PERIPLOMENON enthält die Wortwurzel pel-/pol-. Diese ist allen im griechischen Substantiv POLOS bekannt als Fremdwort der POL mit der Bedeutung Drehung, Wirbel, auch das kreisende Himmelsgewölbe oder die sich drehende Erdkugel, so dann die Linie oder Achse oder den festen Punkt — also eben den Pol — um den sich alles dreht. Wir wissen aber, dass die Erdachse geringen Schwankungen unterworfen ist. Der Lateiner gibt die zu Beginn genannte Wendung wieder mit VOLVENTIBUS ANNIS d.h. MIT DREHEND WIRBELNDEN JAHREN — unschwer erkennt man im Verbum VOLVERE die jährlichen Drehungen unseres Planeten, aber auch Wörter und Ableitungen wie Wendungen, Entwicklungen und Verwicklungen im Verlaufe der Zeiten. Dies gilt speziell in unseren Jahren: Dem aufmerksamen Beobachter sind die Wendungen und Verwicklungen des ablaufenden Jahres — Stichwörter: Veränderungen des Weltklimas und der politischen Grosswetterlage — Grund zu ernster Sorge und realen Befürchtungen.

Im vergehenden Jahr öffnete sich ein ganz anderes Feld der Erfahrung: Gleich in mehreren Büchern wurde uns die Geheimnisse der Bäume näher gebracht —diese an feste Standorte gebundenen und Jahrhunderte überdauernden Lebewesen prägen nicht nur unsere Landschaften, sondern haben einen ungemein vielschichtiges Lebensprozesse tief im Inneren der Pflanzen und Organismen. Dieser fantastische Blick ist nicht nur neu, sondern erscheint mir wie ein Alarmsignal im Klimawandel: die notwendige Symbiose wird bedroht wird durch das zügellose Wachstum in einer fehlgeleiteten ökonomischen Entwicklung.

Vergleichbar dem Odysseus aber hat uns — mich und meine Familie — das ablaufende Jahr auch äusserlich und geographisch „herumgewirbelt“ über die Länder und Kontinente unseres Planeten: Reisen und Aufenthalte innerhalb Europas — im Frühling ins Donau-Delta und durch Rumänien oder im Herbst nach Sardinien — wurden ergänzt durch meine Bahnfahrt mit der Transsib von Moskau nach Irkutsk und zum Baikal-See mit anschliessenden Fahrten durch die Mongolei, während weitere Familienmitglieder Norwegen und Portugal oder Mauritius und Japan als Ziele hatten; im September verbrachten wir zwei herrliche Herbstwochen auf Sardinien, zunächst mit unseren Freunden aus Fontnas, dann mit deutschen Radsportfans!

Wir freuen uns über die intensive gegenseitige Anteilnahme, die vielen Kontakte und gemeinsamen Stunden, Anlässe und Feste mit unseren Kindern, darunter der 40. Geburtstag von Thomas im Onsernone-Tal und gemeinsame Tage in Paris; wir verfolgen die Kreise und Pirouetten, die unsere Enkelinnen kunstvoll auf Eis zeichnen, und wir halten den Atem an, bis Katharina und Dominik jeweils von ihren grossen Bergfahrten wieder im sicheren Talgrund sind. —  Im August hat bereits zum dritten Mal eine Viertageswanderung die Geschwister Ackermann und PartnerInnen zusammengebracht, eine wunderbare Gelegenheit, die von allen als Geschenk empfunden wurde. Diese Reisen sind tolle Er-Fahrungen, sie machen zusammen mit den zahlreichen Filmreportagen im Fernsehen die ganze Erde zu unserem Lebensraum— und schliessen auch uns Bewohner über nationalistischer Verengung in einer globalen Schicksalsgemeinschaft zusammen … und dazu gehören vor allem auch die Millionen von Menschen, die unterwegs auf der Flucht und auf der Suche nach einer neuen, sichereren Heimat sind und unsere Gesellschaft herausfordern.

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Ein unglaubliches und unerwartetes Geschenk hat uns aus Elisabeths Hühnerstall ein Huhn gemacht: Nachdem es manchmal tagelang nicht mehr im Hühnerhof gesichtet werden konnte und schliesslich ganz ausblieb und als ein Opfer des räuberischen Fuchses angesehen wurde, erschien das tapfere Tier plötzlich (anfangs Oktober (!) mit ihren fünf (!) Kücken: Es hatte diese im Geheimen und unbeobachtet in irgendeiner Erdhöhle ausgebrütet; dieses kleine Wesen hat uns überlistet überrascht und beschenkt.

Lassen wir uns doch auch im kommenden Jahr vom Gang und den Gesetzmässigkeiten der Natur zu ähnlich schönen Ergebnissen leiten — dies wünschen wir uns und allen unseren Freunden zum Jahreswechsel.

Otto und Elisabeth

 

Fontnas, 28. Dezember 2016

 

 

Zur Atomdebatte: Der überhastete Ausstieg …?

 

Fast gebetsmühlenartig wiederholen bürgerliche Politiker in ihren gesponserten Inseraten täglich diesen Slogan gegen die Atomausstiegsinitiative: Gefahr für das Klima, für die Versorgungssicherheit  … usw. Da muss ich mich ebenfalls nochmals zur Initiative melden!

Der Slogan vom überhasteten Ausstieg wird durch die permanente Wiederholung nicht wahrer, aber bei uninformierten Leuten leider Gottes wirksamer. Ich weiss wirklich nicht, warum die ganze bürgerliche Politikergarde sich praktisch unisono einsetzt für die Weiterführung unrentabler AKWs, welche die Betreiber lieber heute als morgen für  einen Franken verkaufehn würden: Das ist pure Ideologie. Sie verhindert auf Jahrzehnte hinaus ökonomisch und ökologisch sinnvolle Investitionen in alternative und erneuerbare Energien.

Stellen Sie doch die Gegenfrage: Wann wäre für diese Politiker der richtige Zeitpunkt? Keine Antwort! Schweigen in allen Landessprachen. Im Parlament haben die gleichen Leute es verpasst, der Atomwirtschaft klare Grenzen zu setzen. Statt dessen übergingen sie Sicherheitsbedenken und willigten ein, dass uralte Anlagen — nachgerüstet mit Hunderten von Millionen Franken! — auf unbestimmte Zeit weiterlaufen. Bis wann? Dem beschlossenen Atomausstieg laufen mit dieser Trödelei Zeit und Kosten davon (Milliarden für den Abbruch irgendwann und fehlender Investitionen jetzt!). Bei diesem üblen Spiel sollten wir nicht mitmachen. Der Ausstieg in absehbarer Zeit ist nicht gratis, lenkt aber die Anstrengungern in die richtige Richtung. Darum unbedingt Ja zur Ausstiegsinitiative am 27. November.

Die Himmelsöffnung der Jurte — Überlegungen nach einer Reise in die Mongolei

Spirituelle Reisen wollte ich unternehmen, anbieten und organisieren — seit meiner Pensionierung. Beim Besuch des Panda-Parks von Chendo in China versuchte ich diese Touristenattraktion als ein mögliches Leitbild der naturentfremdeten chinesischen Stadtmenschen zu verstehen — dies scheint mit weit hilfreicher als dein Blick auf die (renovierte) chinesische Mauer oder die Tausenden von Kriegern eines übermächtigen Herrschers. (Vgl. Beitrag Wollen die Chinesen uns einen Bären aufbinden?) Diesen Sommer brachte mich die transsibirische Eisenbahn von Moskau durch die unendliche Taiga nach Irkutsk und an den Baikalsee zu den Burjaten und von dort weiter in die Steppen der Mongolei. Dieses riesige Land zerfällt in die Millionenstadt Ulan Bator — eine Art „Mega-Oase“ — und die ganz dünn besiedelten unendlichen Steppen der Nomaden. Was ergibt sich aus diesem Nebeneinander von Viehhirten mit ihren Tieren einerseits und den High-Tech-Menschen in der verkehrsüberlasteten, smog-gefährdeten Grossstadt? Was können sie und wir lernen aus der Tradition für die Gegenwart und Zukunft? Welche Leitbilder weisen in eine sinnvolle Entwicklung? Zwei Bilder aus der Geschichte und Tradition bleiben in Erinnerung: Die Jurte der Nomaden und Dschingis Khan als Beutesteppenkrieger — ein absolutes Gegenbild zu den Tausenden von Datschas entlang der russischen Transit oder auch zur City von Ulan Bator mir ihren Wolkenkratzern und Wohnblocks.


Der mongolische Welteroberer ein Leitbild für die moderne mongolische Gesellschaft?

 Wie ein Fels thront der Mongolenherrscher und Welteroberer Dschingis Khan vor dem neuen Parlamentsgebäude; eifrige Nationalisten haben ihm eine gute Autostunde östlich der Hauptstadt ein silbrig glitzernden Riesen-Denkmal errichtet — die grösste Reiterstatue der Welt! — offenbar im Wettstreit mit der Freiheitsstatue von New York!

 Triumphalistischer und völkischer Nationalismus befällt zur Zeit viele Völker und birgt eine Gefahr dar für das friedliche Nebeneinander oder besser Ineinander der Völker. Ein Rückgriff auf eine ahistorische, mythisch überhöhte Vergangenheit ist für mich ein Anachronismus wie der Teil und Rütlischwur für die CONFOEDERATIO HELVETICA! Mehr noch: die vergebliche oder gefährliche Beschwörung eines Nationalismus ist auch als blosse Erinnerung kein Wegweiser für eine Gesellschaft der Zukunft.

Ein bedenkens-wertes Erbe: Die Jurte als Kulturform

Ganz andere Werte vermittelt die traditionelle Jurte der nomadischen Steppenbewohner. Sie ist nicht Überbleibsel einer „primitiven“ Vergangenheit, auch und nicht bloss romantische Attraktion für neugierige Touristen, sondern als Kulturform Mittelpunkt einer ursprünglichen Lebensweise inmitten einer klimatisch extremen und bedrohlichen Natur, Mittelpunkt ebenso von Gesellschaft, Wirtschaft und Kult. Diese Räume aus Holz und Filz sind im Innern wie eine ausgestülpte Erdhöhlen, von aussen weisse Orientierungspunkte in der Steppe, aber nicht zu Dörfern versammelt. Die Jurte schafft ein erwärmtes Innen zum Wachen und Schlafen, abgrenzend gegenüber der wilden, geisterbelebten Natur. Sie  eignet sich als Wohnform überhaupt nicht für die Repräsentation von Macht und Einfluss und ist  mit ihren vergänglichen Materialien noch nicht Architektur — und doch in völligem Gegensatz zu den Tausenden von Datschas, an welchen die Transsib vorbeiführte, diese kunstlosen  Hütten der russischen Stadtflüchtlinge.

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Die Jurte hat einen einzigen, runden, kumpelförmigen Innenraum und dieser hat eine grosse symbolische Bedeutung: er ordnet die soziale Struktur und bildet auch das religiöse Weltbild der Hirtennomaden ab — der absolute Gegensatz zu den modernen Bauten aus Glasfenstern, wo die Aussenwelt hereingeholt wird — am sichtbarsten im blauen Blue Sky Tower am Hauptplatz von Ulan Bator.

Nur ein einziger einfacher Zugang, immer nach Süden ausgerichtet, führt ins Innere. Keine andere Öffnung, kein Fenster verbindet innen und aussen. Nur gegen oben gibt eine kreisrunde Öffnung durch einen Holzkranz, ursprünglich es ein Rauchabzug, den Blick zum Himmel, zum unendlichen Himmel über der grenzenlosen Steppe. Dieser Himmel ist der bis heute gibt das Himmelsblau die Nationalfarbe der Mongolei. Der einzige Blick aus der Jurte geht zum endlosen, blauen Himmel … das ist bereits die grundlegende religiöse Dimension, denn dieser Himmel ist als TENGRI in der Nomadenreligion die höchste Wirklichkeit.

Tengri in der Jurte

Unter dem Begriff Tengrismus werden die religiösen Überzeugungen und kultischen Ausdrucksformen der Nomaden zusammengefasst — einige Stichwörter und der Hinweis auf den Wikipedia-Artikel müssen genügen.

Tengri als höchste unpersönliche (!) Gottheit gilt als der Erschaffer und Hüter des kosmischen Gleichgewichts und der natürlichen Kreisläufe. Dschingis Khan begann seine Reden immer mit den Worten: „Auf Wunsch des ewigen blauen Himmels…“ und leitete seine Macht als seinen vom Himmel ab.

Im Tengrismus wird alles in der Natur Befindliche als von einem Geist bewohnt geglaubt. Tengri gilt als der mächtigste von allen. Er gilt als der Erschaffer und Hüter des kosmischen Gleichgewichts und der natürlichen Kreisläufe.

Der Sinn des Lebens  für einen Menschen besteht darin, mit „allem, was unter dem Himmel ist“, also mit seiner Umwelt im Einklang zu leben. Der Mensch steht in der Mitte der Welten und sieht seine Existenz zwischen dem „ewigen blauen Himmel“, der „Mutter Erde“  , die ihn stützt und ernährt, und einem Herrscher, der als „Sohn des Himmels“ gilt, geborgen.  Jedes Ritual begann mit der Ehrung von Tengri, der Mutter-Erde Yer und der Ahnen. Tengri wurde auch im Alltag der Menschen ständig erwähnt und gewürdigt; wenn ein besonderes Getränk getrunken werden sollte, goss man zuerst einen Teil davon in eine Schüssel und überreichte es dem Vater-Himmel, der Mutter-Erde und den Ahnen. Außerdem opferten Frauen regelmäßig Milch oder Tee, indem sie mit dem Getränk um das Zelt gingen und es dabei dreimal in alle vier Himmelsrichtungen verteilten.

Die Jurte als Symbol

Die Jurte ist nicht nur die Mitte des Kosmos, sondern ist selbst ein Mikrokosmos. … Im Zentrum der Jurte befindet sich die Feuerstelle, der heiligste Punkt. Dies ist der Platz von Golomto, der Tochter Tengris und das Zentrum des Mikrokosmos. Die von der Feuerstelle aufsteigende Rauchsäule symbolisiert den Weltenbaum, die Rauchöffnung an der Decke den Eingang ins himmlische Reich.  Der kleine, runde Sonnenstrahl, der durch die Rauchöffnung in die Jurte fällt, bewegt sich im Uhrzeigersinn. An ihr kann man die Uhrzeit ablesen.

Die Stelle hinter der Feuerstelle wird Hoimar genannt, dies ist die Nordseite („hinten“). Hier wird ein Tisch hingestellt, auf der das Totem (Ongon) aufgestellt wird und Opfergaben für die Geister abgelegt werden. Der Sitzplatz daneben gilt als der bedeutendste Sitzplatz im Zelt. Hier nehmen Stammesälteste, Schamanen und andere ehrwürdige Gäste Platz. Rechts ist die männliche Seite des Zeltes, hier nehmen nur Männer Platz. Waffen und andere männliche Gebrauchsgegenstände werden ebenfalls nur hier aufbewahrt. Links ist die weibliche Seite. Hier nehmen Frauen Platz, auch weibliche Gebrauchsgegenstände wie Küchengeräte oder Kinderbetten befinden sich hier. Jugendliche halten sich in der Nähe der weiblichen Seite auf. (Im zwanzigsten Jahrhundert scheint die Ausrichtung zwischen Osten und Westen aber an Bedeutung verloren zu haben, heute sind viele Jurten spiegelverkehrt eingerichtet.)

Aus diesen wenigen Sätzen wird die Bedeutung der Jurte im grossen der Zusammenhang von Natur (Steppe, Himmel) und Kultur (Wohnform, Religion) sichtbar.

Ein uraltes Naturverständnis oder ein neues geistiges Bewusstsein?

Anhänger des Tengrismus haben großen Respekt vor der Natur, vor den Bergen, Wäldern, Flüssen, Bäumen und allen anderen Lebewesen. Verschwendung gilt als Beleidigung gegenüber Tengri und seiner Naturgeister. Der Mensch sieht seine Existenz nicht darauf ausgerichtet, die Natur auszubeuten, sondern lebt mit dem Bewusstsein, dass sein Überleben von einer intakten Umwelt abhängt.

Die modern Menschheit hat riesiige technische Fortschritte erzielt, droht aber aus Respektlosigkeit vor Natur und Kultur die Grundlagen des biologischen und sozialen Zusammenlebens zu zerstören.

Auch für die innere und persönliche Dimension des Menschen ist die Rückbesinnung auf archaische Elemente von Bedeutung. Das nationale Windpferd der Mongolen, welches auf dem Wappen dargestellt ist, bezeichnet die persönliche geistige Kraft, welche sich in der Brust befindet. Je nachdem, wie der Mensch sich und seine Umwelt im Gleichgewicht hält, ist die geistige Kraft bei jedem unterschiedlich groß; ein sehr starkes Windpferd bewirkt, dass ein Mensch sehr klar denkt, sehr vorausschauend ist und stets die richtigen Entscheidungen trifft. Wenn der Mensch seine Kraft für böse Absichten einsetzt und damit das Gleichgewicht stört, schwächt er das Windpferd ab. Deshalb neigen böse Menschen irgendwann auch zur Selbstzerstörung. Man kann das Windpferd mit täglichen kleinen Ritualen stärken, zum Beispiel durch ein Gebet oder durch die Darbringung eines Opfergetränks.

Die Integration zu einem neuen umfassenden Bewusstsein

Die Rückbesinnung auf die Nomandenkultur ist nicht einfach ein Rückschritt in eine frühere Kultur und Bewusstseinsstufe oder eine romantische Verklärung, sondern im Sinne von Ken Wilber eine Aufgabe, nämlich frühere Weisheit in eine umfassendere Weltsicht zu integrieren. Nach ihm verschwimmen im magisch-animistischen Bewusstsein die Grenzen der sozialen Welt mit denen der Welt und Natur überhaupt, aber das ist kein Garant für eine ökologischen Weisheit im Umgang mit der Umwelt. Deshalb gibt es kein Zurück, wohl aber die Transformation in ein Weltbild, das den globalen Gemeinbesitz schützt, die gemeinsame Biosphäre, die keiner Nation, kleinem Stamm, keiner Religion und keiner Rasse gehört, Bewusstsein, welches das transnationale Finanzsystem regulieren und den Weltfrieden in einer neuen Ordnung föderierter Staaten sichern will. Dies verlangt nach höheren Entwicklungsstufen des Bewusstseins, welches frühere Ansätze bewusst integriert. Dafür liefert die nomadische Kultur Anstösse: sie ist wenig an materiellen Besitz gebunden und weit mehr in diese karge, lebensfeindliche Natur eingebunden und verbindet die Menschen gleichzeitig in ursprünglichen Sozialformen von Familie und Clan.

Ken Wilber spricht von einem neuen Bewusstsein, von einer „Über-Seele“, die auch als Weltseele erfahren wird, denn das Ich und die Welt haben hier ihren gemeinsamen Quell, Ursprung.

Aktuelle mongolische Rückbesinnung

Einen Bezug der Tradition zur Gegenwart sucht auch der mongolische Gelehrte Schagdaryn Bira in Ulan Bator. In einem Gespräch bezeichnet er den Tengrismus (und nicht den Welteroberer Dschingis Khan) als bedeutsam für die aktuelle und auch mongolische Auseinandersetzung mit der Globalisierung: Nomadische Völker sind offen für andere Einflüsse und Zivilisationen; ihr Beitrag zu einer Weltkultur werde anders sein als der der asiatischen Weltmacht China. Die Mongolei könne mit Hilfe der Vereinten Nationen eine Rolle als neutralisierender Faktor spielen, um die negativen Konsequenzen der Globalisierung zu verringern. Es gelte dabei nicht nur für die Mongolei, sondern auch für andere kleine Nationen… Die Mongolei sollte eine führende Rolle dabei übernehmen, andere kleine Nationen zusammenzuführen, um gemeinsam deren einzigartige Kulturen und Zivilisationen zu schützen. „Es ist sehr wichtig, daß sich die kleinen Nationen der Erde zusammentun. Sonst werden wir die soziale und moralische Balance verlieren. Ich wundere mich manchmal darüber, wie sehr Leute sich grämen, wenn eine der bedrohten Pflanzen untergeht. Dann heißt es, wir verlieren die ökologische Balance – aber wenn kleine Nationen verschwinden, dann kümmert das kaum jemanden.“

Was bleibt … als Anstoss und Aufgabe

Die Weite der eurasischen Steppe und das Rund der mongolischen Jurte, das waren die prägenden und extremen Erfahrungen meiner Sommerreise mit Baikal Tours – beides führt hin zur Herausforderung der Gegenwart. Natürlich gibt es kein Zurück in die Jurte und es ist absurd,, mit dem Eroberer Dschingis Khan von einem mongolischen (Welt-)Reich zu träumen.

Aber wir moderne, globalisierte Reisenomaden können erkennen, dass wir unsere Welt als gemeinsamen Kugel zu gestalten haben in einem Prozess, der tiefer gehen muss als die wirtschaftliche Globalisierung: Die Jurte als Gegenfigur zur mittelalterlichen Multi-kulti- Stadt Karakorum oder zum modernen Ulan Bator und als „denk-mal !“ für die Gestaltung unseres Wohnens auf Zeit um Kreis unserer Angehörigen und unter dem Himmel des Welt-Globus !

Quellen:

– Wikipedia-Artikel „Jurte“ und „Tengrismus“.

– · Kai Ehlers: Globalisierung à la Tschingis Chan? Ein Gespräch mit Prof. Dr. Schagdaryn Bira in Ulanbator uber die Bedeutung des mongolischen Tengerismus fur die Globalisierung; Eurasisches Magazin vom 25. September 2003.

– Ken Wilber, Eros Kosmos Logos. Eine Jahrtausend-Vision. Frankfurt am Main 1996.

 

AUF DER SALZSTRASSE VON HALL im Tirol AN DEN BODENSEE

Hall im Tirol liegt einige Kilometer östlich von Innsbruck; die wunderschöne Altstadt lebt von der grossen Vergangenheit als Salzgewinnungsort — ein eindrückliches Museum erinnert daran; auch die Umgebung nach Schwaz und zum Svarovsky-Museum gibt einen Einstieg in die geplante Tour. (2 Übernachtungen. )
Von hier aus  folgen wir  in Tagesetappen von 50 bis 70 km der Salzstrasse an den Bodensee

1.  Tag:  Wir beginnen mit einem Aufstieg zuFuss den Salzminen hoch über Hall.

2. Tag: Mit der Bahn nach  Seefeld, dann über Leutasch – Mittenwald – Garmisch  nach Oberammergau.

3. Tag: Über Linderhof, das Jagdschloss Ludwigs II. , und  Plansee nach Füssen. (2 Übernachtungen);

4. Tag Ausflug in die Umgebung.

5. Tag Füssen – Oberstaufen (über Tannheimertal oder Pfronten)

6. Tag: Oberstaufen – Bregenz – St. Margrethen.

Teilnehmer:
max. 10
Voraussetzung: durchschnittliche Kondition (keine ruppigen Steigungen, wenig Höhenmeter), Velo mit Gepäcktaschen.

Zeitpunkt:
Juni 2016, genaues Datum noch unbestimmt in Absprache mit Interessenten.

Unterkunft in Hotels *** und ****  in den Etappenorten oder näheren Umgebung.

Kosten: nach Aufwand für Unterkunft und Verpflegung

RADTOUR VOM ARLBERG BIS NACH ULM GENUSSFAHREN DURCH DAS LECHTAL BIS AN DIE DONAU

EINE IDEE:

> Einrolletappe von Buchs durch den ebenen Walgau nach Bludenz; Transport hinauf auf den Flexenpass.

> Wir beginnen zuoberst im Lechtal in Zürs. Unterwegs haben wir viel Zeit für Naturbeobachtung und „Jause“ in den ursprünglich gebliebenen Dörfern oder Städtchen in Tirol und Bayern.

GESAMTDISTANZ:    ca. 300 km

ANFAHRT
mit Bahn und Bus über Bludenz/Langen am Arlberg

RÜCKFAHRT
ULM – BUCHS mit der Bahn ca. 3 ½ Std. (oder Fortsetzung der Fahrt auf eigene Planung !!!)

 

Der Lech ist 264 km lang und entspringt in Vorarlberg und fließt durch Tirol und Südbayern, wo er in die Donau mündet. Kurz vor der deutsch/österreichischen Grenze nimmt er die Vils auf, stürzt am Lechfall bei Füssen hinunter und durchquert auf seinem Weg Schwaben und Oberbayern.

Auf seinem Weg durch das Lechtal verläuft er durch die Gemeinden
Lech, Warth, Steeg, Holzgau, Bach, Elbigenalp, Häselgehr, Elmen, Stanzach, Forchach, Weißenbach, Ehenbichl, Höfen und Lechaschau. Reutte ist der größte am Lech liegende Ort auf österreichischem Gebiet.

Zur Route gehören Orte wie Füssen und Schongau.

Im unteren Lechtallauf durchquert der Lech unterhalb Reutte Pflach, Musau und Pinswang.

Die größten Städte am Lech sind Landsberg am Lech und Augsburg, wo. Bei Rain mündet der Fluss in die Donau.

Wir radeln die Donau durch zahllose Flussauen aufwärts bis nach Ulm.

 

Interesse geweckt?
Melde dich bei mir !!!

         Interessante Links z.B.:

www.reutte.com/…/006-009_Lechtal_FN_04_2011%5B1%5D.pdf‎

www.biketrekking.de/fahrradtouren/augsburg-landsberg10.htm